Pattern Project

8. 12. 2009

geht doch!

Backlash oder Klärung?

Das ist immer die Frage, wenn sog. konservative Ansichten hervorgehoben werden. Nach der ornamentalen Malerei von Tomma Abts, die 2006 den Preis bekam, gewinnt diesmal Schönheit, Gold, Deko den Turner-Preis! Nach dem Lichtschalter-Gag von letztem Jahr doch ein starker Gegensatz.

“Ich glaube, der diesjährige Turner-Preis steht für den Beginn einer ernsthafteren Phase, in der es in der Kunst nicht mehr um Geld, Glitzer, Schock und Hype geht. Es geht wieder um Interessanteres.” (Sarah Kent, über tagesschau.de)

Richard Wright: golden Ornament, Turner Preis 2009

Ich bekenne mich schon lange zu konservativer Kunst! Solange sie nicht benutzt wird, um Intoleranz und Macht zu transportieren. Dürfen wir hoffen, dass die Erkenntnis der Langweiligkeit von Videos mit flackernden Lichtern oder Kameras, die aufnehmen, während sie von Hochhäusern geworfen werden oder per Luftballon transportiert; von Menschen in „existentiellen Situationen“ oder solchen, die in sog. performances mit Eimern über dem Kopf oder nackt auf der Fußgängerzone stehen – und, welch Ergebnis, die Passanten sind schockiert –  nun langsam auch in die Kunstkongregation vorgedrungen ist? Man betrachte die anderen Wettbewerbsbeiträge. Dass diese von der Realität völlig abgehobene Kunstwelt nicht mehr zeitgemäß ist?

Das war alles am Anfang mal toll, als es wirklich was Neues war, Ausprobieren, Forschen. Heute sind diese Dinge akademisch, wie es früher die gegenständlich-realistische Malerei war.

„Es ist lange her, dass wir etwas ’schön’ nennen durften.“ Seit 20 Jahren arbeite ich mich an diesem Thema ab… 1992 zB, mit dem ersten von mir organisierten “Kunstgespräch” am Wiesbadener „talhaus“, mit Robert Gernhardt und Wolf Spemann fragte ich: „Darf Kunst schön sein?“ Man war damals schon mit gegenständlicher Malerei völlig kitschig, noch mehr, wenn diese sich auch noch klassischer Technik bediente und „einfach schön“ war.

Postmoderne – war da mal was? Affirmation und nicht nur ständige Brüche, Schönheit und nicht nur Kaputtheit, Gefühle ausdrücken und nicht nur aus der Distanz betrachten.

Hohe Kunst versus Kunsthandwerk.

Kunst, die nicht nur eine bestimmte Schicht, ein bestimmtes Milieu versteht (oder auch nur so tut als ob) und schätzt, sondern andere Formen, die auch Leute aus anderen Zusammenhängen gut finden können.

Das war immer mein Anliegen.

Was unterscheidet ein gutes Ornament von einer guten Installation, im Hinblick auf den Wert als Kunstwerk?

Bitte aber jetzt nicht wieder einseitig nach der anderen Seite werden! Wir wollen die ganze Bandbreite!

Kunst ist Forschung, Forschung an der Wahrnehmung, an der Welt, am eigenen Sein.