Pattern Project

9. 8. 2006

Prof. Dr. Henning Genz

„Symmetrie – Bauplan der Natur“

Physiker, Prof. emer. für theoretische Teilchenphysik, Karlsruhe

Das wohl mächtigste Prinzip der Physik ist das der Symmetrien der Naturgesetze. Symmetrische Objekte im Raum wie Schneekristalle, Kunstwerke oder Dekorationen teilen mit symmetrischen Naturgesetzen die Eigenschaft, daß man mit ihnen etwas anstellen kann, ohne sie zu verändern – sie etwa, wie einen Schneekristall, einer Drehung um 60 Grad unterwerfen. Mächtig sind Symmetrieprinzipien, weil mit ihrer Hilfe Naturgesetze aufgefunden werden können, die ihnen genügen. Soll ein Naturgesetz allgemeingültig sein, muß es immer und überall gelten. Die Forderung danach ist ein Symmetrieprinzip, und dieses kann helfen, Naturgesetze herzuleiten, die allgemeingültig sein können. Im Laufe der Jahrhunderte nach Galileis Forderung, dass die Naturgesetze auch von der Geschwindigkeit, wenn nur konstant, unabhängig sein müssen, wurde der Bereich der möglichen Symmetrien der Naturgesetze wieder und wieder erweitert – wenn, wie im Fall der Spiegelsymmetrie, gelegentlich auch durch Experimente eingeschränkt. Theoretische Physiker aber stellen weiter und weiter gehende Symmetrieforderungen an die Naturgesetze – in der Hoffnung, daß diese einmal hinreichend einschränkend sein werden, um nur noch ein Naturgesetz als Kandidat für eine „Theorie von Allem“ zuzulassen. Müsste dieses Naturgesetz dann auch in der Wirklichkeit gelten? Dafür kann keine Garantie übernommen werden. Denn auch Symmetrieprinzipien können falsch sein.

Prof. Dr. rer. nat. Henning Genz – zur Person

Eine traurige Nachricht: Prof. Genz ist am 22. September völlig überraschend verstorben. Es ist ein großer Verlust für uns alle. Er hatte noch so viel vor. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Familie.

Geb. 1938 in Braunschweig. Seit August 1967 verheiratet mit Marina Genz, geb. Holtkott; keine Kinder. Abitur 1958 in Hameln, Studium der Physik und Mathematik in Göttingen und München. Diplom 1965 und Promotion 1967 in München; Doktorvater Prof. Dr. F. Bopp. Von 1967 bis 1970 Forschungsaufenthalte an der Universität Hamburg und am LBL in Berkeley (USA); von 1970 bis 1974 wiss. Assistent an der Universität Karlsruhe. Habilitation für Physik 1972; von 1974 bis zur Pensionierung 2003 Professor für Theoretische Physik in Karlsruhe. Häufige Gastaufenthalte an auswärtigen Universitäten und Forschungsinstituten. Zahlreiche Vorträge und Beiträge zu Konferenzen. Hauptarbeitsgebiet ist die Theorie der Elementarteilchen; dazu etwa 80 Publikationen in wiss. Zeitschriften und Sammelbänden. Etwa 60 Veröffentlichungen zu didaktischen und interdisziplinären Fragen – darunter Fernsehfilme und computererzeugte Filme sowie 13 Bücher, davon 2 in Vorbereitung.

Bücher

Symmetrie – Bauplan der Natur; Piper, München 1987; Piper Taschenbuch 1991

Symmetrie und Symmetriebrechung in der Physik; Vieweg, Braunschweig und Wiesbaden 1991 (mit R. Decker)

Die Entdeckung des Nichts – Leere und Fülle im Universum; C. Hanser, München 1994; mehrere Auflagen. Buchklubausgabe des Weltbild-Verlages Bechtermünz 1997. Rowohlt/Science Taschenbuch, Reinbek 1999. Übersetzung ins Englische: Nothingness - The Science of Empty Space; Helix Imprint of Perseus Books, Reading 1998. Taschenbuch 2000

Wie die Zeit in die Welt kam – Die Entstehung einer Illusion aus Ordnung und Chaos; C. Hanser, München 1996; mehrere Auflagen. Rowohlt/Science Taschenbuch, Reinbek 1999

Gedankenexperimente; Wiley/VCH, Weinheim 1999

Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen – Über Physik und Realität; C. Hanser, München 2002. Rowohlt/Science Taschenbuch, Reinbek 2004

Elementarteilchen; S. Fischer, Frankfurt 2003

Was Professor Kuckuck noch nicht wußte – Naturwissenschaftliches in den Romanen Thomas Manns, ausgewählt, kommentiert und auf den neuesten Stand gebracht; Rowohlt/Science, Reinbek 2004 (mit Ernst-Peter Fischer)

Nichts als das Nichts – Die Physik des Vakuums; Wiley/VCH, Weinheim 2004

Gedankenexperimente; Neubearbeitung des Buches von 1999; Rowohlt/Science, Reinbek 2005

War es ein Gott? Zufall, Notwendigkeit und Kreativität in der Entwicklung des Universums; C. Hanser, München 2006

Teilchen, Welle oder keins von beiden? – Wider die Komplementarität (Arbeitstitel); Wiley/VCH, Weinheim; in Vorbereitung für das Frühjahr 2007

Universalität der Naturgesetze (Arbeitstitel); Edition Unseld bei Suhrkamp/Insel, Frankfurt; in Vorbereitung für den Herbst 2007

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