Pattern Project

9. 8. 2006

Prof. Dr. Burghart Schmidt

„Kritische Theorie des Ornaments“

Professor für Sprache und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M. und deren Vizepräsident

Das Ornamentale hat wesentlich Zeigefunktion, will Aufmerksamkeit hervorrufen. Daher ist es im Kern zunächst äußerst einfach, damit das Zeigen im ersten Schritt umstandslos verstanden würde.
Aber das Funktionssystem unserer Nerven stellt auf dauernd gleichbleibende Reize sein Reagieren ein, wie jedem bekannt durch Armband, Ring, Halskette, unspürbar geworden für den Träger. Um die Funktion eines Aufmerksam-Machens weiterhin zu erfüllen, kompliziert sich das Ornamentale zu immer höheren Graden bis ins Labyrinthische.
Das die erste Dialektik.
Die zweite Dialektik besteht in dem Gegeneinander von abstrahiert naturalen Figuren und mathematischen Strukturen, deren Gegeneinander Überraschung erzeugt. Zu beiden Dialektiken findet man in Ernst Gombrichts Werk Ornament und Kunst viele anschauliche Beispiele.
Die dritte Dialektik besteht in dem Prozess vom Beiwerk-Charakter des Ornamentalen zur Sache der Darstellung selber, kulminierend im Jugendstil und danach. Wir befinden uns heute in den verschiedensten Vorgängen einer Ornamentalisierung unserer Lebenswelt. Im Ornamentalen spricht sich ein Grundproblem der abendländischen Gegenwart aus.

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Dr. phil. habil. Burghart Schmidt – zur Person

Professor für Sprache und Ästhetik an der Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M. und deren Vizepräsident, Projekt- Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst Wien, Ehrenpräsident der Ernst-Bloch-Gesellschaft Ludwigshafen/Rh.

Geb. 1942, Schulzeit Wilhelmshaven, Studium der Biologie, Chemie, Physik, dann Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Tübingen. Dort wissenschaftlicher Mitarbeiter des Philosophen Ernst Bloch zur Herausgabe von dessen Gesamtausgabe im Suhrkamp Verlag 1968 – 1977. 1984 Habilitation in Sozialphilosophie bei Oskar Negt an der Universität Hannover. 1977 - 1997 Dozent für Kunsttheorie an der Universität für angewandte Kunst Wien und an der Universität Hannover. 1986 – 1988 als Gastprofessor Leiter des Instituts für Gegenwartskunst an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 1997 an der Hochschule in Offenbach.

Einschlägige Publikationen:

Postmoderne – Strategien des Vergessens, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1994

Kitsch und Klatsch, Edition Splitter, Wien 1994

Bild im Ab-wesen, Edition Splitter, Wien 1998

Zus. mit Gérard Raulet Hg. von „Kritische Theorie des Ornaments“, Böhlau, Köln-Weimar-Wien, 1993

Zus. mit Gérard Raulet Hg. von „Vom Parergon zum Labyrinth“, Böhlau, Köln-Weimar-Wien, 2001

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